Ein tödliche Affäre

Shownotes

Im Sommer 2024 wurde im mittelfränkischen Schwabach ein 42-Jähriger erstochen - in den frühen Morgenstunden lag er tot vor seiner eigenen Haustür. Er wollte zur Arbeit fahren, der Täter hatte ihm aufgelauert. Das Motiv: Kompliziert. Seine Frau Lissy pflegte neben ihrer Ehe gleich mehrere Affären - einer ihrer Liebhaber wurde im Juli 2025 für die Bluttat verurteilt. Und doch will er kein eiskalter Mörder sein, sondern behauptet eine Art Notwehr. Warum? Die Akte liegt noch immer beim Bundesgerichtshof, die Anwälte haben Revision eingelegt.


Vor 80 Jahren begann im Nürnberger Justizgebäude das Internationale Militärtribunal zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Zum Jahrestag am 20. November 2025 veröffentlicht das Memorium Nürnberger Prozesse zusammen mit dem Games Studio Playing History das Serious Game "Tribunal 45". Es versetzt die Spielerinnen und Spieler in die Rolle der Juristin Aline Chalufour, die 1945 Teil des französischen Anklageteams war. https://tribunal45.de/

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00:00:03: Abgründe der Kriminalpodcast des Verlags Nürnberger Presse.

00:00:08: Echte Verbrechen, echte Fälle.

00:00:11: Mit unseren Gerichts- und Polizeireporterinnen und Reportern.

00:00:21: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Abgründe dem True Crime Podcast vom Verlag Nürnberger Presse.

00:00:25: Mein Name ist Lena Wölke und heute begrüße ich wieder meine Kollegin Ulrike Löw.

00:00:29: Hallo Lena.

00:00:31: wisst uns heute nach Schwabach führen, hast du mir gesagt?

00:00:34: Ja, genau, hallo Lena, hallo liebe Hörerinnen und Hörer.

00:00:39: Ja, tatsächlich sprechen wir heute über ein Verbrechen in Schwabach, ein Verbrechen, zu dem es auch aufgrund von vielen verwickelten Liebesbeziehungen Betrug und Eifersucht gekommen ist.

00:00:51: Schwaboch, vor allem die es nicht kennen, ist eine Kleinstadt hier in unserer Gegend.

00:00:57: Übrigens eine ausgesprochen schöne Kleinstadt, finde ich, mit etwa vierzigtausend Einwohnern südlich von Nürnberg.

00:01:05: An diesem Ort sind wir.

00:01:07: Es ist der neunzehnte August zwanzig vierundzwanzig, ein Montag und es ist halb fünf Uhr morgens.

00:01:14: Als bei der Polizei gleich mehrere Anrufe eingehen, sind alles Notrufe.

00:01:20: Anruferinnen und Anrufer haben einen lautstarken Streit gehört.

00:01:25: Schreie, sehr lautes Schrei.

00:01:26: Und sie fürchten alle Schlimmes.

00:01:29: Die Polizei soll ganz dringend kommen.

00:01:32: Es waren noch mehrere Polizeistreifen los.

00:01:34: Doch, das können wir ja schon mal sagen, die kommen alle zu

00:01:37: spät.

00:01:39: Wir sind jetzt an der Dr.

00:01:41: Georg Bettstraße.

00:01:43: Eichwasen heißt der Stadtteil.

00:01:44: Und die Anrufer, die wohnen in mehr Familienhäusern rund um einen Sehr großen Parkplatz.

00:01:49: Und auf diesem Parkplatz.

00:01:51: da liegt ein Mann.

00:01:52: Genau.

00:01:53: Und dieser Mann wirkt leblos.

00:01:56: Die Sanitäter und die Rettungskräfte vor Ort beugen sich noch über ihn.

00:02:00: Das werden kurze Wiederbelebungsversuche unternommen.

00:02:03: Doch das bleibt alles erfolglos.

00:02:06: Denn für alle, also für die Rettungskräfte und auch für die Polizei, ist auf den ersten Blick Klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss.

00:02:15: Der Tote hat mehrere Stichverletzungen, vor allen Dingen am Oberkörper erst.

00:02:20: Zweiundvierzig Jahre alt.

00:02:23: Und dann gibt es noch einen Opfer, nämlich die Ehefrau des Mannes.

00:02:27: Sie lebt, ist zwei Jahre jünger als Ehevierzig, aber sie hat auch Verletzungen.

00:02:32: Und sie wird an diesem frühen Morgen ins Krankenhaus gebracht.

00:02:36: Und von dem Täter fehlt zu dem Zeitpunkt jede Spur.

00:02:40: Wir wissen also da noch nichts zu dem Motiv.

00:02:43: Es ist jetzt nichts ersichtlich auf den ersten Blick.

00:02:45: Genauso ist es.

00:02:47: Wir wissen nichts zu dem Motiv, aber trotzdem gibt es schon einiges, was die Polizei weiß.

00:02:52: Und deshalb wird sofort eine Großfandung eingeleitet.

00:02:56: Stimmt.

00:02:56: Wir haben ja nämlich noch die Anwohner, von denen wir schon gesprochen haben.

00:03:00: Gibt es denn daneben auch Augenzeugen?

00:03:02: Auf jeden Fall haben einige der Anrufer, die den Notruf gewählt haben, einen Angreifer beschrieben.

00:03:09: Es ist, wie schon gesagt, sehr früh an diesem Montagmorgen.

00:03:13: Der Parkplatz ist auch nicht mitten in der Innenstadt, sondern der liegt ein bisschen außerhalb in einem Wohngebiet, also an einem Ort, an den man nicht ganz zufällig hinkommt.

00:03:24: Und das bedeutet, dass die Polizei aufgrund der frühen Uhrzeit und auch aufgrund des Tatortes sofort den Verdacht hegt, dass sich der Täter und das Opfer gekannt haben müssen.

00:03:37: Der tote Mann ist Handwerker, er liegt neben einem Bus, wie er typischerweise von Handwerkern gefahren wird.

00:03:44: Und so vermute die Polizei, dass er wohl auf dem Weg zur Arbeit war, als der Täter ihn abgepasst hat.

00:03:49: Die Polizei meldt dann auch sehr schnell einen Fahndungserfolg.

00:03:53: Und die Tat wurde an einem Montag begangen, schon am feb.

00:03:57: und am feb.

00:03:58: und am feb.

00:03:58: und am feb.

00:03:59: und am feb.

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00:04:08: und am feb.

00:04:09: und am feb.

00:04:10: und am feb.

00:04:10: und am feb.

00:04:11: und am feb.

00:04:11: und am feb.

00:04:13: Raduell kommen den U-Haft und im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli, im Juli.

00:04:28: Und er trägt Fußfesseln, als er in den Sitzungssaal des Schwurgerichts hineingeführt wird.

00:04:34: Fußfesseln bedeutet übrigens nicht, dass man den Mann für ganz besonders gefährlich hält.

00:04:39: Die Fesseln sollen verhindern, dass er flüchten kann.

00:04:43: Daduell ist zu diesem Zeitpunkt sechzig.

00:04:46: Ich würde ihn jetzt optisch als unauffälligen Durchschnittstypen beschreiben.

00:04:51: Er hat schüttere Haare, die sind nach hinten gekämmt.

00:04:54: Er hat ein kleines Bärchen und ... Dieser Bart ist ganz sorgfältig gestutzt.

00:04:59: Er trägt eine Brille, hat ein Polo-T-Shot an und sitzt da ganz ruhig im Saal.

00:05:05: Er hat sich angeblich, ich sage angeblich, aber dazu kommen wir noch, noch nie etwas zu schulden kommen lassen.

00:05:13: Das klingt auf jeden Fall schon mal spannend.

00:05:15: Er hat sich angeblich nichts zu schulden kommen lassen.

00:05:19: Was ist denn der Beruf von Raduell, also wovon lebt er?

00:05:23: Er betreibt zwei Scheibwarengeschäfte mit Loto Toto in Nürnberg und in Regensburg.

00:05:28: Er ist in Rumänien geboren und lebt seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland.

00:05:32: Er hat auch einen deutschen Pass.

00:05:35: Nun ist Raduell als Mörder angeklagt.

00:05:38: Was

00:05:39: soll denn jetzt sein Motiv sein, den Mann in Schwabach zu töten und auch dessen Ehefrau zu verletzen?

00:05:44: Intergrund ist eine Liebesaffäre.

00:05:47: Raduell, das habe ich noch nicht erwähnt, Aber natürlich haben wir wie immer zum Schutz der Beteiligten die Namen geändert.

00:05:55: Raduell heißt also nicht Raduell.

00:05:57: Aber wir nennen ihn hier eben Raduell.

00:06:02: Raduell hat also eine Affäre mit Lissi, der Ehefrau des getöteten Mannes.

00:06:07: Und an jenem Morgen, so stellt es dann die Staatsanwaltschaft Nürnberg Fürth in der Anklage dar, hat Raduell dem Ehemann seiner Geliebten aufgelauert.

00:06:17: Und zwar um ihn zu töten.

00:06:20: Also könnte man sagen, dass das Motiv eifersucht ist.

00:06:23: Gebe ich dir recht, das klingt auf den ersten Blick absolut nach eifersucht, aber nein, das Mordmerkmal ist Heimtückel und das Motiv ist nicht eifersucht.

00:06:34: Aber wenn ich jetzt mal zu der Tat zurückgehe, er sieht den Mann seiner Geliebten als Nebenbuhler und lauert ihm auf und am Ende hat er ihn getötet.

00:06:44: Ja, er sieht ihn als Nebenbohler, aber es ist trotzdem komplizierter und dieses Motiv wird in der Beweisaufnahme vor Gericht eine sehr große Rolle spielen.

00:06:55: Deshalb will ich es noch mal ganz kurz zurückstellen.

00:06:58: Fakt ist, dass Eugen F, so nennen wir den getöteten Mann, erstochen worden ist.

00:07:04: Die Tatwaffe ist zwar noch nicht oder nie gefunden worden, aber das Messer muss eine ziemlich lange Klinge gehaubt haben.

00:07:12: Sowas stellt die Rechtsmedizin später anhand der Verletzungen fest.

00:07:17: Denn die Stichkanäle, also die Eintrittswunden, können gemessen werden.

00:07:22: Und hier ist die Rede von dreißig Zentimeter Klingenlänge.

00:07:27: Raduell liegt also auf der Lauer, so sieht es die Staatsanwaltschaft, bis sein Nebenbuhler das Haus verlässt und zu seinem Auto geht.

00:07:36: Als er bei seinem Transporter, so ein VW-Graft, ankommt, die Tür öffnet und sich auf den Weg zur Arbeit machen will, schlägt Raduell zu.

00:07:48: Das klingt im ersten Moment eigentlich ganz übersichtlich.

00:07:52: In der Fähre, auch wenn du sagst, Eifersucht ist jetzt nicht das Motiv.

00:07:57: der Tatort vor der Haustür, Zicknachbannen als Zeugen.

00:08:01: Aber was da jetzt irgendwie nicht reinpasst, ist, warum die Ehefrau des Opfers, also die Geliebte des Täters, graduell auch verletzt wird.

00:08:11: Absolut richtig.

00:08:12: Es wird sehr laut auf der Straße.

00:08:15: Es wird geschrien, ich habe ja schon erzählt, dass viele Anwohner den Notruf gewählt haben.

00:08:21: Und dieses Geschrei hat auch Lizzie gehört, also die Ehefrau von Eugen F. Sie rennt aus der Wohnung, als sie das Geschrei hört.

00:08:29: Sie rennt ins Treppenhaus und auf die Straße.

00:08:31: Dort zieht sie zwei Männer rangeln, will diese beiden Männer trennen und dabei wird sie dann verletzt.

00:08:39: Und so trägt es dann auch die Anklage vor.

00:08:41: Der Raduell hat seinem Opfer Eugen F im Dunkeln aufgelauert.

00:08:45: Er hat ihn aus einem Hinterhalt angegriffen.

00:08:48: Und weil Eugen F damit überhaupt nicht gerechnet hat, kann er auch nicht ausweichen.

00:08:53: Eugen F erleidet schwere Stich- und Schnittverletzungen im Gesicht, am Oberarm und an den Händen.

00:09:00: Er fällt zu Boden.

00:09:01: Und als er da auf dem Asphalt liegt, stößt ihm raduell noch zweimal das Messer in den Oberkörper.

00:09:09: Und dabei trifft er auch den Herzbeutel.

00:09:13: Man mag sich es nicht vorstellen, wie es an diesem Tatort ausgesehen hat, als die ersten Rettungskräfte eingetroffen sind.

00:09:21: Es hat geregnet und ich höre immer noch eine Polizistin sprechen, die sich im Gerichtssaal als Zeugen erinnert hat.

00:09:28: Die hat nämlich Bäche von Blut beschrieben.

00:09:31: die durch den Rindstein geflossen sind, also natürlich durch den Regen.

00:09:36: Und der Rechtsmediziner hat sehr anschaulich beschrieben, wie unser Herz das Blut in den Körper pumpt und hat dann eben gesagt, wenn der Messerstich den Herzbeutel trifft, dann wird ja das Blut trotzdem weitergepumpt, das Blut fließt und entsprechend schnell verblutete eben Eugen F.

00:09:56: Vor achtzig Jahren wurde im Nürnberger Justizgebäude im berühmten Saal sechshundert hochrangigen Nationalsozialisten wie zum Beispiel Hermann Göring oder Albert Speer der Prozess gemacht.

00:10:06: Zum ersten Mal in der Geschichte fand eine Anklage von Einzelpersonen für schwere internationale Verbrechen statt.

00:10:13: Das war ein Meilenstein in der Entwicklung des Völkerstrafrechts.

00:10:17: Im neuen Series-Game Working on Justice Tribunal forty-fünf, des Memoriums Nürnberger Prozesse, könnt ihr den Prozess erleben.

00:10:26: Im Spiel begleitet ihr die französische Juristin Aline Chalufour bei der Aufarbeitung der Verbrechen und könnt sie bei ihrer Arbeit als Anklägerin unterstützen.

00:10:34: Bis zur Urteilsverkündung stellt ihr Beweismappen zusammen, trefft andere Prozessbeteiligte, zum Beispiel Zeugen, Dolmetscherinnen und Visionäre des Völkerrechts und sucht nach verborgenen Gegenständen im Justizgebäude.

00:10:47: Außerdem wirst du herausgefordert, zu grundsätzlichen Fragen des Völkerstrafrechts Selbstpositionen zu beziehen.

00:10:53: Zum Beispiel sollen Täter oder Opfer-Aussagen im Fokus von Gerichtsverfahren stehen oder wie viel Raum bekommt die Presse in Verfahren und wer entscheidet eigentlich, wer angeklagt wird.

00:11:04: Das Spiel ist seit dem zwanzigsten November kostenlos auf Deutsch und Englisch in den Appstores verfügbar oder auch auf www.tribunal.vierzig.de.

00:11:12: Ein heimtürkische Tat, eventuell niedrige Beweggründe.

00:11:17: Da droht er, wenn ich richtig imprimiert bin, eine lebenslange Freiheitsstrafe.

00:11:21: Was hat Raduell denn zu seiner eigenen Verteidigung gesagt?

00:11:25: Er hat geschwiegen.

00:11:26: Es ist natürlich sein gutes Recht als Angeklagter, aber seine Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Heitzmann und Rechtsanwältin Sandra Rothschild, haben in seinem Namen eine Erklärung vorgelesen.

00:11:38: Sie haben ihn verteidigt.

00:11:40: Nehm ich jetzt mal einen ganz zentralen Punkt vorweg.

00:11:43: Strittig ist nämlich unter anderem, welcher der beiden Männer dieses lange Messer mitgebracht hat.

00:11:51: Wie gesagt, gefunden wurde es ja nicht und wer hat zuerst damit gedroht?

00:11:57: Die Anwälte, also Frau Rothschild und Herr Heinzmann, habe ich vor unserem Gespräch besucht.

00:12:03: Und wir haben nochmal über die Tat und haben auch über die Hauptverhandlung und die Beweisaufnahme gesprochen.

00:12:08: Und Lena, du hast natürlich vollkommen recht.

00:12:12: Die Schurgerichtskammer hat tagelang verhandelt und am Ende ... ist dann im Landgericht Nürnbergfurt eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt worden.

00:12:21: Raduell ist also wegen Mordes verurteilt worden.

00:12:25: Allerdings ist dieses Urteil noch nicht rechtskräftig.

00:12:29: Die Revision zum Bundesgerichtshof ist eingelegt und für die beiden Anwälte ist es nämlich gar nicht so klar, dass sich alles auf diese Art und Weise am Morgen des neunzehnten Augusts, vierundzwanzig, abgespielt hat.

00:12:44: Ja, genau, so ist es.

00:12:46: Tatsächlich haben wir in der Hauptwanderung eine Erklärung abgegeben

00:12:50: für unseren Mandanten

00:12:51: und in seinem Namen.

00:12:53: Und aus der Erklärung geht hervor, dass er selbst auch eine ganz andere Wahrnehmung hat, als man ihm die dann später in der Anklageschrift unterstellt hat.

00:13:03: Es war nicht er, der da den Angriff fossiert hat, der hatte aus seiner Sicht auch eigentlich gar keinen Grund, ihn anzugreifen, sondern es ging ihm vielmehr darum, seine geliebte zu beschützen.

00:13:15: Im Zuge des Ansprechens kam es zu einem Gerangel der Männer und er.

00:13:21: Die beiden gingen zu Boden und so kam es auch zu den Stichen, die vermutlich dann den Eugen, wie er hier heißt, getötet wurde.

00:13:34: Dem voraus ging allerdings, oder das war dann der Anlass auch, warum der Mandant sich in der Nacht auf dem Parkplatz aufgehalten hat, einfach die Sorge auch um seine Geliebte, die Sorge um Lizzie, denn die Ehleute hatten sich getrennt im Vorfeld und die Lizzie hat immer wieder berichtet davon, dass sie große Angst hat vor ihrem Ehemann und dass das einfach keine besonders schöne Situation war, dass es Schwierigkeiten gab in der Beziehung.

00:13:59: Und dass ihr Ehemann ja auch gesagt hat, wenn du dich trennen willst, dann musst du die Wohnung verlassen und musst das Kind hier lassen.

00:14:06: Und darum ging es eigentlich unsere Mandanten primär.

00:14:10: Er wollte klarstellen, dass sie sich unter seinem Schutz befindet.

00:14:15: Das klingt trotzdem seltsam, finde ich.

00:14:17: Die Ehefrau Lizzie betrügt ihren Ehemann.

00:14:20: Raduell ist also der Nebenbuller.

00:14:22: Frag ich mich ja schon, wie ausgerechnet er in dieser Rolle auf die Idee kommt, den gehörenden Ehemann zur Rede zu stellen.

00:14:31: Freilich ist die Affäre zwischenzeitlich aufgeflogen und es ist dazu gekommen, dass sich Eugen und Lizzie trennen.

00:14:38: Man kann also nicht mehr unbedingt von einer Affäre und von Betrug sprechen.

00:14:44: Und natürlich ist moral auch keine Kategorie in einem Strafverfahren.

00:14:49: Trotzdem muss man feststellen, dass die Affäre von Lizzie Mitrado natürlich den ersten Schritt gesetzt hat für alles, was in Schwabach passiert ist.

00:14:59: Und dann kommt noch was Seltsames.

00:15:01: Lizzie Rent.

00:15:02: Wie gesagt, aus dem Haus, als sie die Schreie hört.

00:15:05: Sie versucht, die beiden Männer zu trennen.

00:15:08: Dabei wird sie selbst verletzt und ihr Ehemann stirbt.

00:15:12: Doch später behauptet sie bei der Polizei und auch bei Gericht, dass sie den zweiten Mann, also ihren Geliebten, nicht erkannt hat.

00:15:21: Ist wirklich ganz schön schräg.

00:15:22: Sie ist mit ihrem Ehemann und mit ihrem geliebten Intim.

00:15:26: Also sie kennt die beiden Männer ja wohl doch.

00:15:28: würde ich mal schätzen, ganz gut.

00:15:30: Und dann erkennt sie einen der beiden auf offener Straße nicht, obwohl sie dazwischen geht, als sie beiden rangeln.

00:15:35: Also, das klingt doch, als wäre das kompletter

00:15:37: Quatsch.

00:15:38: Na ja, gut.

00:15:39: Die Ehefrau des Eugen, die Lizzie, wie sie hier genannt wird, die hat in der ganzen

00:15:47: Geschichte

00:15:47: eine mehr als dubiose Rolle gespielt.

00:15:50: Sie hat zum Beispiel unseren Mandanten erzählt, dass sie von ihrem Ehemann sehr schlecht behandelt wird.

00:15:57: dass er sehr eifersüchtig ist und dass es auch zu Bedrohungen mit Messer an den Hals halten und ähnliche Situationen gekommen ist.

00:16:08: Und mit diesen Geschichten hat sie natürlich das Gesamtgeschehen irgendwo auch angeheizt und den Mandanten dann in die Situation gebracht, wo er meinte, die Verantwortung für die, die sie übernehmen zu müssen.

00:16:25: Lissi hat also ihren geliebten Raduell erzählt, dass ihr Ehemann Eugen sie schlecht behandelt, mit der Folge, dass ihr geliebt, dass sie beschützen will.

00:16:33: Und so lauert er deshalb dem Ehemann auf, am Morgen, bevor er dieser zur Arbeit fährt.

00:16:38: Okay.

00:16:41: Das ist noch nicht alles.

00:16:42: Umgekehrt hat die Lissi nämlich auch ihrem Ehemann erzählt, dass sie gar keine Affäre mit Raduell hatte, sondern von ihm zu dieser sexuellen Affäre.

00:16:54: Regelrecht gezwungen wurde.

00:16:57: Ich fasse mal zusammen, Lizzie F erzählt ihrem Geliebten, dass ihr Ehemann sie schlecht behandelt und als ihre Affäre aufliegt, macht sie ihrem Geliebten vor den Ehemann schlecht.

00:17:05: Also, sprich Lizzie ist aber auf jeden Fall in beiden Fällen immer das Opfer oder stellt sich zumindest

00:17:12: so hin.

00:17:12: Ja, ganz genau.

00:17:14: Und beides gleichzeitig kann eigentlich gar nicht stimmen.

00:17:17: Am zweiten Tag in der Hauptverhandlung war Lizzie F. als Zeugen gefragt und ihre Aussage war, also mal ganz gelindeformuliert ausgesprochen, mühsam.

00:17:27: In jedem Fall hat sie es mit der Wahrheit nicht so ganz genau genommen oder vielleicht hat sie auch ein schwieriges Verhältnis zur Realität.

00:17:35: Aber aus ihrer Sicht ist die Situation auch wirklich sehr schwierig.

00:17:41: Suchen wir uns das mal bildlich vorzustellen.

00:17:43: Ihr Ehemann wurde getötet, ihr Geliebter wird als Täter beschuldigt.

00:17:48: Sie sitzt in einem Gerichtssaal.

00:17:50: Ihre Schwiegereltern, also die Eltern des toten Eugen F, sitzen neben ihr.

00:17:56: Sprich, die Schwiegereltern betrauen den Verlust des Sohnes.

00:18:01: Sie halten die Schwiegertochter Lizzie für die trauernde Witwe.

00:18:05: Und jetzt hören Sie hier in der Beweisaufnahme im Gerichtssaal, dass es mit der Moral dieser Frau nicht ganz so weit her ist.

00:18:12: Wie gesagt, die sitzen nebeneinander.

00:18:14: Dann kann man sich vielleicht tatsächlich schon mal schenieren und vielleicht glaubt sie ja auch irgendwie, dass ihr späteres Leugnen verhindert, dass ihre Affäre aufliegt.

00:18:26: In jedem Fall ist es eine schwierige Situation, als sie jetzt im Gerichtssaal erklärt, dass sie in die Rangelei eingegriffen hat, die beiden Männer getrennt hat und trotzdem nur den Ehemann aber nicht den Geliebten, mit dem sie immerhin intim war, nicht erkannt haben will.

00:18:43: Naja gut, ich habe ihr das auch von Anfang an nicht geglaubt.

00:18:47: Sie hat ja bei der polizeilichen Vernehmung an der Anfertigung eines Phantombildes mitgewirkt und dieses Phantombild entspricht vom äußerlichen her genau dem Antlitz unseres Mandanten.

00:19:02: Also von daher war das nicht besonders logisch, was die Frau dort erzählt hat.

00:19:07: Sie hat ja dann auch sich in Widersprüche verwickelt.

00:19:11: Und hat dann am Anfang gemein ihrer Vernehmung, ja, sie wäre dann bei der Anfertigung des Phantombildes auch auf den Gedanken gekommen, dass der Ralu der Täter sein könnte, hat das dann aber bei der Polizei nicht offenbart.

00:19:27: Es ergibt überhaupt keinen Sinn.

00:19:29: Ihr Ehemann ist tot, ihr ex-geliebter Raduell, der nun auf der Anklagebank sitzt, hat sogar selbst zugegeben, dass er am Tatort war.

00:19:37: Und ein Zeuge hatte geschildert, dass die Frau am Tatort sogar mit dem Täter gesprochen hat.

00:19:44: Also ich denke, man kann an der Stelle nur vermuten, dass sie... ihre Affäre ja verbergen wollte, dass sie das nicht offenbaren wollte.

00:19:50: Das ist an vielen Stellen in dem Verfahren eigentlich klar geworden, dass sie immer nur dann etwas zugegeben hat, wenn sie nicht mehr auskommt.

00:19:59: Also wenn man an dem Punkt war, an dem man eigentlich sie schon in Anführungszeichen der Lüge überführt hatte oder so viele Unstimmigkeiten jedenfalls zutage tragen, dass sie auch nicht mehr aus dieser Nummer rauskam und das fand Tommel.

00:20:10: Ich habe mir das damals ganz zu Beginn des Ermittlungsverfahrens von der Kriminalbeamtin schicken lassen.

00:20:15: Und ich war wirklich erschrocken darüber, dass sie dann weiterhin behauptet hatte, dass sie nicht erkannt hat, wer das gewesen wäre.

00:20:23: Wenn man sich das Bild anschaut und dann unseren Mandanten angeschaut hat, dann war das tatsächlich eine unerklärliche Aussage ihrerseits.

00:20:31: Und das war es noch nicht mal.

00:20:33: Im Laufe der Beweisaufnahme taucht noch ein weiterer Liebhaber von Lizzie auf.

00:20:38: Ja, das stimmt.

00:20:41: Auch das hatte sie zunächst abgestritten.

00:20:43: Ich erinnere mich, sie wurde im Zeugenstand danach gefragt.

00:20:46: Hintergrund war, dass jemand bei der Polizei ausgesagt hat.

00:20:49: Und es auch Telefonanrufe gab, die aufgezeichnet wurden im Wege der Telefonüberwachung, der bei der Polizei gefragt wurde, ob er denn ein privates Verhältnis mit der Lizzie hatte.

00:21:01: Und er hat bei der Polizei gesagt, er möchte darauf nicht antworten.

00:21:05: Die Polizei hat ihn so auskommen lassen, aber im Gerichtsaal konnte er natürlich nicht mehr auskommen.

00:21:10: Und dann hat er das zugegeben, dass er ein privates, intimes Verhältnis mit der Lizzie hatte.

00:21:16: Das wissen wir natürlich nicht.

00:21:17: Und daraufhin wurde sie noch mal als Zeugen geladen.

00:21:20: Und dann hat sie es auch zugegeben.

00:21:21: Sie hatte aber auch gleichzeitig gesagt, dass ihr Liebhaber sie angerufen hatte und informiert hatte.

00:21:27: Erst daraufhin wusste sie natürlich wieder, wie weit das ist in dem Verfahren gekommen.

00:21:31: Ihre weitere Affäre war bekannt.

00:21:33: Und dann hat sie es zugegeben, obwohl sie es ja vorher noch bestritten hatte.

00:21:37: Mit anderen Worten, die Zeugin hat vor Gericht gelogen, dass sich die Balken biegen.

00:21:42: Es hätte so manchen Staatsanwalt gegeben, der die Zeugin im Sitzungssaal wegen uneitlicher Falschaussage festgenommen hätte.

00:21:50: Aber unser Eindruck war, dass die Kammer das gar nicht so sehr gestört hat.

00:21:58: Man hat sich ja letztlich auch bei der Beweiswürdigung dann später auf die Aussage zurückgezogen, dass man die Aussage dieser Zeugeln für eine Verurteilung des Angeklagten gar nicht

00:22:08: braucht.

00:22:09: Es war auch so, dass dem Vorsitzenden Richter während der Vernehmung der Lizzie, also seine Verhältnisse, auch ein bisschen der Kamm geschwollen ist.

00:22:17: Ich glaube, man kam im Laufe der Hauptverhandlung an den Punkt, dass man ihr dann auch die Sachen, die Aussagen zum Geschehen... nicht wirklich mehr glauben konnte, weil eben vorher so viele Widersprüche aufgetaucht sind.

00:22:30: Die war die schwierigste Zeuge, man hat das auch in den Plädoyers dann gemerkt, auch im Plädoyer des Herrn Staatsanwalts.

00:22:36: Oberstaatsanwalts hat man es

00:22:38: entnommen.

00:22:39: Er meinte, dass das durchaus eine belastbare Aussage wäre und auch eine Grundlage, aber gleichwohl war es natürlich so.

00:22:45: dass man sich über diese ganzen Widersprüche nicht einfach hinwegsetzen konnte.

00:22:49: Und das stimmt.

00:22:50: Der Vorsitzende war mit dieser Zeugin durchaus fasenweise streng und hat da auch drauf bestanden, dass sie hier weils gemäß auszusagen hat.

00:22:59: Selbiges Prozedere hatten wir auch beim Vater, das Verstorbenen.

00:23:04: Da war es ähnlich.

00:23:04: Der wandt sich auch im Zeugenstand und wollte da auch eigentlich vielleicht auch nachvollziehbar, aber kein schlechtes... Licht natürlich auf seinen Sohn werfen lassen und entsprechend gemauert hat auch der.

00:23:16: Und das führte auch wiederum dazu, dass man davon ausgehen konnte, dass er uns nicht mit der Wahrheit bedienen wollte, dass er jedenfalls nicht vollständig aussagen wollte.

00:23:24: Und so waren die ersten Tage tatsächlich an der Stelle eigentlich unvorhersehbar spannend.

00:23:29: So

00:23:30: hatte ich es gar nicht erwartet nach der Aktenlektür und nach der Vorbereitung der Hopfandung.

00:23:34: Es

00:23:35: wurde tatsächlich eine schillernde Geschichte, aber wie gesagt, es ist natürlich unglaublich schwierig, sich all dem stellen zu müssen.

00:23:44: Es geht um Mord.

00:23:46: Nun müssen die Eltern des Mordopfers hören, dass behauptet wird, dass ihr Sohn seine Ehe Frau Lizzie sehr schlecht behandelt hat.

00:23:54: Und sie hören, dass ihre Schwiegertochter Lizzie gleich zwei erfahren hatte.

00:23:59: Überall dies wird in einem großen Gerichtssaal gesprochen mit viel Publikum auf den Stühlen im Zuschauerraum im Saal.

00:24:07: Ich glaube, dass keiner auch sich dem stellen wollte und natürlich insbesondere die Lizzie ... schon den Grund hatte, auch diese Dinge zu verbergen.

00:24:15: Das war natürlich unschön in öffentlicher Hauptverhandlung, gleich zwei Affären zugeben zu müssen.

00:24:21: Sitzend direkt neben den Schwiegereltern.

00:24:23: Das muss man nun auch sagen.

00:24:25: Die

00:24:25: offensichtlich von diesen Affären nichts wussten.

00:24:28: Genau, die bis zu dem Verfahren nicht informiert waren über all diese Umstände.

00:24:31: Und das ist natürlich extrem schwierig, auch menschlich nachvollziehbar.

00:24:34: Gleichwohl ist man darauf angewiesen, dass Zeugen im Gerichtsaal die Wahrheit sagen.

00:24:39: Und da darf es natürlich keine Ausnahme geben, egal wie schwierig vielleicht die private Situation dahinter ist.

00:24:44: Wir sind jetzt sehr lange bei Lizzie geblieben und das jetzt wirklich nicht, weil es uns... um die Moralvorstellungen von ihr gehen würde.

00:24:52: Sie ist tatsächlich unter Umständen an einer ganz zentralen Stelle schlicht eine wichtige Augenzeugin.

00:25:00: Sie hat sich zwischen die beiden streitenden Männer gestellt, hat die beiden streitenden Männer getrennt und das lässt natürlich den Rückschluss zu, dass sie auch beobachtet hat, wer wen angegriffen hat und was sich da genau abgespielt hat.

00:25:15: Denn – und das ist jetzt der Knackpunkt – wir haben es mit zwei ganz unterschiedlichen Versionen zu tun.

00:25:22: Die Verteidigung schildert eine Art Selbstverteidigung bzw.

00:25:26: eine Art Notwehr.

00:25:28: Und die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Raduell dagegen vor, dass er einen heimtückischen Mord begangen hat.

00:25:35: Aber sie fällt dir als Augenzeugin ja praktisch aus und wir haben immer noch die zentrale Frage, wer hat das Messer gezogen?

00:25:42: War der Angeklagte der Angreife oder hat Eugen F selbst mit einem Messer gedroht, kam es zum Gerangel?

00:25:47: Ist Eugen F durch die Stiche seines eigenen Messers gestorben?

00:25:52: Wir haben aber auch noch die zahlreichen Anrufer aus der Nachbarschaft.

00:25:56: Du hast dir bereits die Notrufe geschildert, gibt es auch unter ihnen Augenzeugen, die eventuell genau erkannt haben, was passiert ist.

00:26:02: Vielleicht... kennt man ja mittlerweile sehr oft von solchen Fällen.

00:26:06: Hat die jemand die Szene mit einem Handy auf Video aufgenommen oder irgendwie so?

00:26:09: Ja, das wäre natürlich sehr hilfreich.

00:26:11: Ist aber leider nicht der Fall.

00:26:13: Die Nachbarn und die Anwohner, die die Notrufe abgesetzt hatten, berichten übereinstimmend, dass sie von lauten Geschrei aus dem Bett gerissen worden waren.

00:26:23: Doch einige vermuten grüllende Betrunkene und den sich im Bett erst nochmal um sind natürlich verärgert.

00:26:30: Andere bekommen Angst.

00:26:33: ahnen, dass was Schlimmes passiert ist, eilen zum Fenster oder auf den Balkon und die erinnern sich teilweise bis heute an diese schrecklichen Schreie.

00:26:42: Es war aber zu dunkel, um zu erkennen, was draußen vor sich ging und auf diesem Parkplatz oder rund um diesen Parkplatz stehen auch Bäume und diese Bäume haben dann natürlich die Sicht auf den Parkplatz und das Geschehen auch behindert.

00:26:57: Und so haben sich dann einige der Zeugen fast dafür entschuldigt, dass sie nicht mit Sicherheit sagen konnten oder können, welche Person in dem Gerangel der Täter und welche Person das Opfer war.

00:27:09: Aber eine Erinnerung ist tatsächlich besonders aufgefallen, denn mehrere Zeugen wollen beobachtet haben, dass einer der Männer, als der andere am Boden gelegen ist, einfach davon gelaufen ist.

00:27:21: Es sind also mitten in einer sehr aufwendigen Beweisaufnahme und in der Hauptverhandlung werden Indizien gesammelt.

00:27:28: Und die Glaubwürdigkeit von Lizzie ist dahin, aber es wird ja noch bunter, wie du schon angedeutet hast.

00:27:32: Und zwar mit Blick auf den angeklagten Raduell schütze ich mal, weil es ist ja noch so eine Formulierung von der Offen, die du da angedeutet hast, nämlich, dass er angeblich nicht vorbestraft sei.

00:27:44: Ja, dieses Detail ist tatsächlich auch sehr schräg.

00:27:48: Der Raduell, so heißt es, soll bereits früher wegen einer Gewalttat hinter Gittern gesessen haben und zwar vor vierzig Jahren.

00:27:57: Auch da ging es angeblich um einen Messerangriff.

00:28:01: Er hat schon eingangs erzählt, dass er ursprünglich aus Rumänien stammt und da lebte er auch als junger Mann.

00:28:08: Doch diese Tat, und da waren sich alle im Gerichtshall einig, ganz schnell, die Richter, also getagt hat ja eine Schwurgerichtskammer, d.h.

00:28:16: drei Berufsrichter und zwei Schöffen, also die Richter der Staatsanwälte und die Rechtsanwälte haben übereinstimmend erklärt, dass diese Tat sehr lange zurückliegt.

00:28:26: Zum einen und zum zweiten herrscht er zum damaligen Zeitpunkt noch der Diktator Shoshesko in Rumänien.

00:28:35: Und als jetzt die Sprache auf diese Frühverurteilung gekommen ist, ist die Verteidigung natürlich sofort auf diesen Umstand zu sprechen gekommen, weil schließlich weiß in der Diktatur ja auch niemand, wie ein Urteil zustande gekommen ist.

00:28:51: Und dass sich hier in Deutschland In diesem Gericht zahlt dann alle, ohne die geringste Diskussion, sofort darüber eigentlich gewesen sind, dass ein solches Urteil dann nicht relevant ist.

00:29:02: Es ist ein, wie ich finde, sehr schöner Beweis und belegt dafür, dass der Rechtsstaat funktioniert.

00:29:08: Na ja, gut.

00:29:09: Wir haben einen sogenannten Verwertungswiderspruch erklärt im Anschluss an die Aussage.

00:29:15: der Ehefrau des RADU, die von einer Verurteilung in Rumänien berichtet hat, die vier Jahrzehnte oder noch länger zurückliest.

00:29:24: Dem Verwertungswiderspruch liegt die Überlegung zugrunde, dass dieser Verurteilung, sollte es sie gegeben haben, zu einer Zeit erfolgt ist, wo wir in Rumänien noch ein diktatorisches System hatten, wo Nicht sichergestellt ist, dass dieses Verfahren unter rechtsstaatlichen Grundsätzen durchgeführt worden ist.

00:29:46: Das ist einmal der eine Punkt.

00:29:48: Da haben wir auch keinen Widerspruch geerntet.

00:29:51: Der zweite Punkt ist, der Zeitablauf nach deutschem Recht wäre auch diese Tat nach vierzig Jahren tilgungsreif gewesen.

00:30:01: Das heißt, man hätte sie nicht mehr zum Nachteil des Angeklagten verwerten dürfen.

00:30:06: Und wenn man als Verteidiger in so einem Verfahren agiert, muss man aus Gründen der anwechlichen Vorsicht so einen Verwertungswiderspruch erklären.

00:30:16: Aber wenn man das interlässt, dann kann das in gewissen Fällen zu einer Verwertbarkeit führen.

00:30:22: Das war Hintergrund dieser ganzen Aktion.

00:30:27: Wie hat Raduell eigentlich die geliebte Lizzie kennengelernt?

00:30:31: Ja, er hatte einen Lotto-Totto-Laden in Regensburg und in Nürnberg betrieben.

00:30:36: In Regensburg lebte er mit seiner Ehefrau und mit seiner Tochter.

00:30:41: Als er sich ab neunzehn eher in Richtung Nürnberg orientiert, fängt dort die Lissi als Mitarbeiterin an.

00:30:50: Die Tochter hatte sich in Regensburg um den Laden gekümmert und diese besagte Lissi, die zwanzig Jahre jünger ist als Radio, Gefällt ihm, er gefällt auch ihr und so fangen die beiden Verhältnis an.

00:31:05: Später hat dann zwar die Lizzie behauptet, dass ihr Chef, also der Rado, dieses angestellten Verhältnis nur ausgenutzt hat, aber das war letztlich vollkommen unglaubwürdig.

00:31:16: Und zwar deshalb, weil es einfach handfeste Beweise für eine freiwillige Beziehung gibt.

00:31:22: Zum Beispiel Chat Nachrichten zwischen Rado und Lizzie, die sehr eindeutig sind.

00:31:28: Es gibt auch Filmchen, also sechs Filmchen, die auch sehr eindeutig sind, dass das freiwillig stattfand diese Affäre.

00:31:37: Und diese Chatnachrichten, die sich gegenseitig geschickt haben, die wirklich eindeutig zweideutig waren, haben übrigens auch dafür gesorgt, dass die Affäre überhaupt aufgeflogen ist.

00:31:48: Die Tochter von Raduell hat nämlich auf einem Geschäfts-Laptop mehr oder weniger zufällig die Nachrichten entdeckt, die sich die beiden über einen Messenger-Dienst geschickt haben.

00:31:59: Schock kann man sich vorstellen, als Tochter sowas zu entdecken.

00:32:03: Und wie gesagt, an Eindeutigkeit hat es wirklich nicht gemangelt.

00:32:07: Die Tochter natürlich völlig schockiert hat all dies ihrer Mutter erzählt und die Mutter hat den untreuen Ehemann Rado dann mehr oder weniger zur Rede gestellt und dann schließlich auch nach ein paar Wochen rausgeworfen.

00:32:18: Okay, verstehe.

00:32:20: Wollte er denn zu dem Zeitpunkt dann eine feste Beziehung zulissi?

00:32:25: Weil zweigleisig ist ja ab dem Zeitpunkt dann für ihn zumindest nicht mehr möglich.

00:32:29: Ja, genau.

00:32:29: Wenn man praktisch denkt, drängt sich diese Frage absolut auf.

00:32:33: Sehe ich ganz genau so.

00:32:34: Die Frau hat ihn rausgeworfen und Für ihn wäre es natürlich das Einfachste, wenn sich jetzt die Lizzie vom Eugen auch trennen würde und er dann mit der Lizzie einfach weitermacht, sozusagen wie bisher.

00:32:45: Und diese Möglichkeit steht natürlich auch im Raum.

00:32:48: Die Lizzie hatte ihm ja auch erzählt, dass sie von ihrem Ehemann Eugen misshandelt wird, dass er sie sogar mit einem Messer bedroht haben soll.

00:32:56: Aber wir wissen ja gleichzeitig auch, wie schlecht es um die Glaubwürdigkeit von der Lizzie bestellt ist.

00:33:04: Nach meiner Einschätzung und nach dem, was wir in der Hauptverhandlung ja auch vorgetragen haben, hatte er auch vorher schon ein großes Herz für die Lizzie.

00:33:10: Ich glaube, wenn man das vielleicht so sagen kann, er hat ein bisschen Narren an ihr gefressen gehabt.

00:33:15: Er hat von Anfang an, weil sie ihm auch berichtet hat, eben von den Übergriffen ihres Ehemannes und auch davon, dass sie sich einfach nicht gut behandeln fühlte, glaube ich, dass er sie beschützen wollte.

00:33:25: Das war einfach das, was hinter allen steckt.

00:33:27: Er hat ja oft auch Geschenke gemacht.

00:33:28: Er hat sich gefreut, wenn sie sich gefreut hat.

00:33:30: Er hat ja mit vielen versucht, eine Freude zu machen.

00:33:33: Und das ging über die ganzen Jahre eigentlich, in denen die beiden mal mehr, mal weniger miteinander verbandelt waren.

00:33:40: Er wollte für sie da sein und er wollte ja Hilfestellung geben.

00:33:43: Und ich glaube, dass das schon von Anfang an so war, dass er da durchaus sehr, sehr verliebt war in die Lizzie.

00:33:50: Fest steht jedenfalls, dass Ratuell wochenlang vor der Wohnung von Lizzie und Eugen geparkt hat.

00:33:57: Er steht da auf diesem Parkplatz in Schwabach, also auf dem späteren Tatort.

00:34:04: Einer Zeugen ist sein schwarzer Mazda aufgefallen und ihr ist auch aufgefallen, also dieser Zeugen, das in diesem Auto der Mann regelrecht gewohnt hat.

00:34:15: Als raduell einmal auf dem Fahrersitz eingeschlafen ist, lief sogar der Motor, hat diese Nachbarin die Polizei gerufen, Und dann wurden die Personalien von Raduell aufgenommen.

00:34:28: Der Staatsanwalt hat Raduell deshalb später als üblen Stalker bezeichnet.

00:34:34: Und seine Wertung war ganz klar.

00:34:36: Aus seiner Sicht hat es sich Raduell quasi als weißer Ritter aufgespielt.

00:34:42: Er hatte auch heimliche Sexaufnahmen von Lizzie gemacht und ausgerechnet er stellt dann eben Eugen F zur Rede, weil dieser Lizzie angeblich misshandelt hat.

00:34:52: Also sprich, Der Staatsanwalt hat den Raduell jetzt auch nicht gerade als richtigen Ehrenmann sehen wollen und hat dann im Vorgehalten, er spielt es sich auf wie ein Mann, wie ein weißer Ritter eben, der die geliebte Regelrecht vor ihrem Ehemann Eugen retten muss.

00:35:10: Na ja, also, die Bewertung des Herrn Oberstaatsarbeit würde ich jetzt nicht unbedingt so näher treten, nach meinem persönlichen Eindruck und ich glaube, du teilst das.

00:35:23: ist der Rado ein sehr emotionaler Mensch gewesen, der schwer mit seinen eigenen Gefühlen zurechtgekommen ist, mit seiner eigenen Gefühlswelt und der keineswegs ein Stalker gewesen ist.

00:35:38: Stalking ist in der Regel etwas Einseitiges und diese Geschichte war etwas Zweiseitiges.

00:35:44: Sie hat ihm ja auch die Tür aufgemacht.

00:35:46: Es gab Chats, die auch vorgehalten und verließen worden sind.

00:35:50: Wo er signalisiert hat, ich bin jetzt da, dann hat man gewartet, bis der Ehemann die Wohnung verlässt und dann hat sie ihn in die Wohnung eingelassen, für was auch immer.

00:35:59: Also das als Stalking anzusehen, kann ich nicht nachvollziehen.

00:36:04: Ja, absolut.

00:36:05: Also dem Eindruck kann ich auch beitreten.

00:36:07: Ich meine nicht, dass irgendetwas von dem, was er hier in Bezug auf die Lizzie gemacht hat, böswillig gewesen wäre.

00:36:13: Und ich glaube, Stocking, das ist insoweit gemeint, dass es ja mehr so ein Ausdruck von Macht, dass man jemandem sich aufzwingen will.

00:36:21: Und ich glaube, das war in dem Zusammenhang überhaupt nicht so, sondern es ging ihm wirklich prima darum, sie zu beschützen, für sie da zu sein, eben weil er entlichte dieser Trennungssituation der Ehleute.

00:36:31: Sorge hatte, dass es wieder zu möglichen Übergriffen kommt, wie auch immer die ausgestaltet sind, dass es da eben ein Machtgefälle in dieser Beziehung gab.

00:36:38: Und ich meine, dass das einfach sein Motivator war, dass er da auch niemandem was vorgespielt hat, da der Ritter zu sein, sondern dass er einfach im Hintergrund für sie da sein wollte, für den Fall, dass was passiert.

00:36:51: Das würde bedeuten, dass er eine gewisse Hilflosigkeit auf diesem Parkplatz kampiert hat.

00:36:56: Vielleicht auch das.

00:36:57: Ja, vielleicht war es so, dass er einfach versucht hat, das, was er seinerseits beitragen kann, beizutragen.

00:37:03: Er kann ja schlecht in die Wohnung reingehen und sich da aufhalten und sozusagen aufpassen, dass nichts passiert.

00:37:10: Sondern ich glaube, das war einfach seine Ausdruck von dieser Sorge, da zu sein, wenn was ist, einfach in der Nähe zu sein.

00:37:17: Zumal er sich ja schon und den Abendenden davor in der Gegend aufgehalten hat, wenn sein Fahrzeug übernachtet hat.

00:37:26: sich, sagen wir so, nicht unbedingt normal verhalten

00:37:28: hat.

00:37:29: Ich fasse das mal zusammen.

00:37:31: Wir haben zwei Varianten.

00:37:32: Der Liebhaber, raduell, der hilflos auf dem Parkplatz nächtigt, weil er vor Sehnsucht nach Lissi brennt und den Gedanken an die häusliche Gewalt, die ihr angeblich wieder Pferd nicht ertragen kann.

00:37:44: Er tritt plötzlich als Beschützer auf, will dem Ehemann ins Gewissen reden und steht plötzlich einem Eugen F gegenüber der seinerseits mit einem Messer droht.

00:37:53: Variante zwei.

00:37:55: Raduell als heimtückischer Geliebter, der hofft, dass sich Lizzie doch noch für ihn entscheidet und dann an dem Morgen als Eugen F. zu seinem Kleintransporter geht, heimtückisch aus dem Hintergrund kommt, das Messer mitbringt und den Nebenbühler ersticht.

00:38:10: Wie kommt man jetzt da zu einer Entscheidung, weil es ist ja beides jetzt im ersten Moment schon mal möglich.

00:38:15: Absolut.

00:38:17: An dieser Stelle kommen Gutachter ins Spiel, und zwar von Seiten der Rechtsmedizin.

00:38:22: Gehört wurden zwei Sachverständige.

00:38:26: Zum einen Professor Jiri Adamec beschäftigt beim Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

00:38:35: Er versteht sich auf die Analyse von Blut- und Blutverteilungsspuren, Blickt auf die Größe und auf die Form von Blutspritzern.

00:38:45: Also Rechtsmedizin führt uns hier ein bisschen in die Irre.

00:38:48: Er ist Physiker und versteht sich praktisch als Biomechaniker.

00:38:53: Und er hat analysiert, welche Waffe der Täter benutzt hat, mit welcher Wucht das Blut gespritzt ist und aus welcher Richtung die Tropfen gekommen sind.

00:39:05: Der zweite Gutachter war Peter Beetz, er ist Professor für Rechtsmedizin, also tatsächlich Rechtsmediziner und er hat viele Jahre das Institut für Rechtsmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg geleitet.

00:39:18: Wahrscheinlich hatte er mehr als tausend

00:39:21: Opfer.

00:39:22: die er obduziert hat, also ein sehr erfahrener Rechtsmediziner.

00:39:26: Aber Rechtsmedizin untersucht natürlich auch lebende Personen und orientiert sich dabei immer an den Verletzungen der Opfer, ob tot oder lebend und damit über das Opfer quasi selber zum Zeuge der eigenen Verletzung.

00:39:41: Und hier hatte der getötete Eugen F. Schnitte an der linken Hand.

00:39:46: Das nennt man Abwehrverletzungen in der Rechtsmedizin und damit ist gemeint, dass solche Schnittwunden dann entstehen, wenn einer im verzweifelten Kampf um das eigene Leben in eine Klinge hineingreift.

00:40:01: Die Verletzungen des Raduell dagegen, das waren sehr wenig Verletzungen, also genau nur eine, nämlich eine Wunde an seinem rechten Daumen.

00:40:11: Und da, sagt der Rechtsmediziner, diese Wunde sei eher typisch für das Halten eines Messers.

00:40:18: Wenn nämlich der Daumen abrutscht, dann können wir sich schneiden.

00:40:23: An dieser Stelle unbedingt betonen, dass die Rechtsmediziner Gutachter sind, wie ich es gerade schon gesagt habe.

00:40:30: Also Gutachter bedeutet auf gar keinen Fall so ein heimlicher Richter, der dann am Ende die Entscheidung trifft, sondern sie sind eben ganz besondere Zeugen und sollen dem Gericht sozusagen als Wissenshelfer dienen.

00:40:44: Wie dann am Ende diese Indizien gewertet werden?

00:40:48: Und ob diese Indizien zu beweisen werden?

00:40:51: entscheidet das Gericht selbst.

00:40:53: Und hier war aber eben das Verletzungsbild sehr auffällig.

00:40:57: Da, wie gesagt, auch sehr asymmetrisch verteilt.

00:41:00: Also der Angeklagte hat eben nur diese sehr wenigen Wunden.

00:41:05: Es kommen glaube ich noch ein paar Verletzungen hinzu, aber zentral diese Wunde am Daumen.

00:41:10: Dagegen eben der leblose Körper des Getöteten mit sehr, sehr vielen Verletzungen.

00:41:16: Also zum Hin und Her von so einem Gerangel.

00:41:19: passt dies dann laut der Experten nicht.

00:41:22: Und raduell hat als angeklagter ja nichts zu den Vorwürfen gesagt, wie du Eingang schon erwähnt hast.

00:41:27: Insofern hat er sich wohl auch nicht zu den Verletzungen des getöteten Eugen F geäußert.

00:41:32: Im Grunde hatte unser Mandant keine Erinnerung an das Tatgeschehen selbst.

00:41:37: Der Anfall zu diesem Randbereich ist auch Teil der Einlassungen in der Hopferhandlung gewesen und ich habe das auch ehrlich gesagt nie in Zweifel gezogen.

00:41:47: So wie das sich zugetragen hat, auch was dann Zeugen geschildert haben, soll das ja in jedem Fall ein sehr dynamisches Geschehen sein und da später dann mögliche Handgriffe zu rekonstruieren, gerade wenn das eine emotional aufgeladene Situation ist, wenn man sich plötzlich, so wie es unser Mandant ja geschildert hat, einem Angriff, einem jedenfalls mal Messer gegenüber sieht, dass man dann vielleicht einfach nur reagiert und das vielleicht nicht mehr im Kern erinnert, fand ich absolut plausibel

00:42:15: für mich.

00:42:17: Und deswegen war natürlich klar, dass insofern er selbst keine Erinnerung und keine Informationen zu den konkreten Stichen hatte, sondern dass später natürlich über die Verteidigung und über die

00:42:28: Akten erfahren

00:42:28: hat.

00:42:29: Im Prinzip geht es ja um die Plausibilität der Einlassungen, die die Rechtsmediziner bzw.

00:42:36: die Herren Sachverständigen, die haben sich halt hier eher hinter die Linie der Staatsanwaltschaft gestellt.

00:42:43: weil ihnen vom Verletzungsbild her und von den Blutspuren her die Version der Anklage einfach plausibler erschien.

00:42:53: Das ist im Prinzip eine Meinung, die man vertreten kann.

00:42:57: Ich hatte da gewisse Zweifel gerade, was das Blutspurengutachten anbetrifft, weil wir nicht wissen, ob diese Blutspuren eben authentisch waren.

00:43:08: Sie müssen sich vorstellen, das hat in der Nacht heftig geregnet.

00:43:12: Der Regen floss in Ströben davon, auch das Blut vermengt mit dem Regen.

00:43:18: Und das, was die Gutachter dann später vorgefunden haben bzw.

00:43:22: was an Blutspuren gesichert worden ist, war eigentlich nur noch ein Rest von Spuren.

00:43:29: Wie das ursprünglich mal ausgesehen hat, das weiß kein Mensch, weil der Regen das Seine dazu betan hat.

00:43:35: Von daher war das Gutachten Adametz für mich nicht so beweiseheblich.

00:43:41: Das verstehe ich, aber jetzt beispielsweise die Blutschuhe in dem Auto, da regnet es ja nicht rein.

00:43:48: Ja, gut, das waren ja Schleugerspuren, die einen Rückschluss auf ein dynamisches Bewegungsverhalten zulassen, aber kaum einen Rückschluss, wer sich bewegt hat.

00:43:58: Verstehen Sie?

00:44:00: Wichtiger war, da er das, was der Rechtsmediziner aus dem Verletzungsbild abgeleitet hat.

00:44:07: Und das Verletzungsbild war ja so, dass die massiven Verletzungen beim Opfer waren und derjenige, der Täter gewesen sein soll, der war auch verletzt, allerdings natürlich nicht in der Intensität wie das Opfer.

00:44:23: Und daraus hat der Rechtsmediziner seine Rückschlüsse gezogen.

00:44:27: Also es klingt ja jetzt von Lein total nachvollziehbar, dass der, der das Messer hat, an dem Messer abrutscht, sich den Daumen verletzt, mit der Klinge sich den Daumen schneidet und das Opfer... die entscheidenden tödlichen Stiche erleidet.

00:44:43: Was kann man dem denn entgegenhalten?

00:44:45: Naja, entgegenhalten kann man eben natürlich, wenn ich mit einem Messer konfrontiert bin, darf ich mich verteidigen.

00:44:51: Und das ist das, der Anfang.

00:44:53: Wie kam es überhaupt zu diesen Stichen?

00:44:56: Das ist tatsächlich ja nicht aufgeklärt.

00:44:58: Oder das war aus unserer Sicht eben anders, als es dann Eingang in das Urteil fand, Eingang auch in die Anklageschrift eben zuvor.

00:45:07: Dieser

00:45:07: erste Moment ist ja so entscheidend, um auch darüber urteilen zu können, wie ist das rechtlich zu bewerten?

00:45:12: Gibt es vielleicht eine Notwehrsituation oder nicht?

00:45:14: Wer hatte denn das Messer?

00:45:15: Also wir haben in der Beweisaufnahme doch relativ viel durchexerziert.

00:45:19: Auch war die Tür zum Beispiel des Transporters offen.

00:45:22: Das war ein Kernpunkt auch hinsichtlich der Blutspuren.

00:45:24: Wir hätten da vielleicht mehr sein müssen, wenn die Tür offen gewesen wäre während des Geschehens.

00:45:30: War es so, dass er raustrabt mit dem Messer?

00:45:32: Das sind alles so Punkte.

00:45:33: Die Zeugen haben sich ganz unterschiedlich erinnert.

00:45:36: Vielleicht auch, weil sie zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten einen Blick auf das Geschehen hatten.

00:45:41: Und deswegen war die Tür natürlich schon interessant.

00:45:43: Aber die hätte dann auch, genau wie der Kollege gerade gesagt hat, diese Blutspuren hätten auch an das Innere kommen können, wenn der am Boden liegt, verletzt.

00:45:50: und sich dann noch einmal dynamisch bewegt, sei es weil der Arm hochgerissen wird oder ähnlich ist.

00:45:54: Also das sind so Sachen, das kann man natürlich nicht lückenlos dann vielleicht mehr aufklären.

00:45:58: Aber dieser erste Moment, da war ja noch keiner dabei.

00:46:01: Die meisten sind durch die Schreie aufmerksam geworden und auch durch ganz verschiedene Schreie der Frau, Schreie vermeintlich das Geschädigten, das weiß man nicht genau, aber erst dann aufmerksam geworden.

00:46:13: Das heißt, das Geschehen hat ja da schon seinen Lauf genommen und erst im Nachgang.

00:46:18: kommen dann die Blicke drauf.

00:46:19: Und diesen ersten Moment, in dem ja unser Mandant uns hat mitteilen lassen, dass er derjenige war, der plötzlich mit diesem Messer konfrontiert war.

00:46:28: Gibt das

00:46:28: keinen Zeugen, aber eben auch keinen, der da bestätigen könnte, dass der Mandant nicht die Wahrheit sagt.

00:46:34: Okay, dann könnten wir es andersrum drehen.

00:46:37: Nämlich, der Ehemann hat langsam die Nase voll, dass der Nebenbühler auf dem Parkplatz vorm Haus karpiert.

00:46:47: muss sowieso zur Arbeit am Morgen und nimmt vielleicht das Frühstücksmesser mit oder ein großes Brotmesser mit und denkt sich so, und wenn der Vogel jetzt immer noch am Parkplatz steht, dann stelle ich den mal zur Rede, was das eigentlich soll.

00:47:05: Ausgeschlossen ist das nicht.

00:47:06: Ausgeschlossen nach dem, was wir ins Verfahren eingehört haben, ist das tatsächlich nicht.

00:47:10: Auch das Rotmesser war ja ein Riesenpunkt in der Verhandlung.

00:47:14: Gefunden hat man es nicht.

00:47:15: Es gab Zeugen, die behauptet hätten, man hat gesehen, wie was reflektierendes abgelegt wurde.

00:47:21: Es gab aber da auch wieder Zeugen, die gesagt haben, diesen reflektierenden Gegenstand hätte wiederum die EFV an sich genommen.

00:47:27: Also die EFV, die das vehement bestritten hatte.

00:47:29: Also

00:47:30: ganz

00:47:31: wilde Konstrukte, die da auch die Runde machten.

00:47:33: Und völlig klar auch, das war nach unserem Dafürhalten nicht ausgeschlossen.

00:47:35: Man hat sich dann bemüht herauszufinden, ob denn der üblicherweise ein Messer bei sich gehabt hätte in diesem Transporter.

00:47:42: Mich hat es nicht überzeugt, dass Freunde und Bekannte sagten, ich wusste davon nichts.

00:47:46: Mehr konnte man am Ende des Tages dazu auch nicht herausfinden.

00:47:48: Und tatsächlich gab es Hinweise darauf, dass ihm aufgefallen wäre, dass da jedenfalls jemand auf diesem Parkplatz, ich sag mal, Wache gestanden hat.

00:47:57: Darauf gab es im Laufe des Verfahrens mal Hinweise, darüber wäre gesprochen

00:48:01: worden.

00:48:02: Viele Theorien, viel Spekulation, Fakt ist, dass raduell als Mörder verurteilt worden ist und rechtskräftig ist das Urteil ja noch nicht.

00:48:10: Der Bundesgerichtshof wird entscheiden, die Revision läuft.

00:48:14: Es ist in jedem Fall aber eine sehr verworrende Geschichte mit in der Tat vielen Details und sehr vielen emotionalen Momenten.

00:48:23: Und ich finde vor allen Dingen, dass diese Tat viel mehr sehr anschaulich zeigt, dass Totschläge und Mörde eben nicht zwanzläufig.

00:48:32: Eiskalditäter sind, sondern ganz häufig einfach nur vollkommen überfordert.

00:48:38: Also das soll jetzt natürlich diese Blutart kein bisschen bagatellisieren.

00:48:42: Es ist ganz klar, jemanden das Leben zu nehmen ist das Schlimmste, was ich tun kann, aber die Betrachtung, dass Mörder und Totschläger praktisch die schlimmsten Kriminellen sind, die sozusagen am Gipfel ihrer Karriere dann auch noch zum Mördern werden, die es schlicht und ergreifend immer falsch oder fast immer falsch.

00:49:00: Es ist nämlich sehr selten, dass die Täter bereits vorbestraft sind.

00:49:04: Meist handelt es sich um Menschen in Ausnahmesituationen.

00:49:07: Und Lena, ich finde, das ist ja auch genau der Sound unseres Podcasts.

00:49:11: Wir wollen ja erklären, warum es zu Taten kommt.

00:49:16: Und ich sage jetzt mal ganz andere Menschen, Betrüger oder Einbrecher, die zigmal mit dem Strafgesetz korrelieren oder beinahe Berufskriminelle sind, das sind schlicht ganz andere Menschen.

00:49:27: Und bei Kapitaldelikten gibt es eben wie gesagt fast nie Vorstrafen, aber immer vor Geschichten.

00:49:34: Und das hat auch der Herr Heitzmann bestätigt, der als Verteidiger schon fast zweihundert mutmaßliche Mörder und Totschläger vertreten

00:49:44: hat.

00:49:44: Ob es jetzt zweihundert Fälle sind, ich habe sie nicht gezählt, aber ich habe jetzt fast vierzig Berufsjahre auf dem Buckel.

00:49:51: Da kommt schon einiges zusammen.

00:49:53: Es ist in der Tat so, dass nach meiner Erfahrung achtzig Prozent der Tötungsdelikte, die bei uns geschehen, Beziehungstaten sind, in der Intimpartner aufeinander losgehen oder einer den anderen eben umbringt.

00:50:12: sind Leute, die man nicht mit klassischen Kriminellen gleich setzen kann.

00:50:18: Da sind in der Regel normale Leute wie du und ich, die halt in einer eklatanten Beziehungskrise stecken, in der sich dann Effekte aufbauen, die sich entladen.

00:50:30: Und das sind jetzt meistens auch Leute, die haben keine Vorstrafen, sondern die agieren halt in einer entscheidenden Situation ihres Lebens völlig falsch.

00:50:40: bringen den Partner um, weil sie subjektiv keine andere Sicht sehen, diesen Konflikt zu beenden.

00:50:47: Und natürlich, das haben wir jetzt auch schon mehrfach berichtet, sind die allermeisten Täter Männer.

00:50:52: und das liegt jetzt nicht unbedingt daran, dass Frauen selten erwischt werden, oder Uli?

00:50:58: Tatsächlich sind Männer offensichtlich diejenigen, die weit häufiger die Konfrontationshuchen als Frauen.

00:51:04: Aber vielleicht ja auch, weil wir fraunkörperlich unterlegen sind.

00:51:08: Frauen werden häufiger mit dem Totschlag des eigenen Babys nach der Geburt auffällig.

00:51:13: Meist sind das natürlich Verzweiflungstaten, aber die sind völlig anders gelagert und die müssen wir, glaube ich, auch völlig anders betrachten.

00:51:23: Ja, vielen Dank, Ole, dass du uns diesen im ersten Moment klaren, im zweiten Moment nicht mehr so klaren Fall mitgebracht hast.

00:51:29: Vielen Dank auch fürs Zuhören.

00:51:31: Wir hören uns dann in zwei Wochen wieder.

00:51:32: Bis dahin.

00:51:32: Tschüss.

00:51:33: Ja, vielen Dank fürs Zuhören.

00:51:34: Tschüss.

00:51:43: Mehr von uns gibt's auf nordbayern.de und nn.de.

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